Pollnick, Yvonne: Der Terminator als Messias : amerikanisches Actionkino als moderner Kulturträger / Yvonne Pollnick
Taunusstein : Driesen, 2. Aufl. 2001 (Driesen Sprach- und Literaturwissenschaften). - 170 S.; 19 cm. Zugl.: Mannheim, Universität, Magisterarbeit, 1994. ISBN 978-386866-094-4 kart., EUR 21,00 Das Actionfilmgenre, für das US-amerikanische Produktionen besonders typisch sind, wird nicht selten als trivial und gewaltverherrlichend abqualifiziert. Dennoch lässt sich an den Besucherzahlen und der Verleihhäufigkeit unschwer ablesen, dass diese Filme auf das Publikum eine starke Faszination ausüben. Yvonne Pollnick analysiert anhand der Filme "Stirb langsam", "Der Highlander", "Terminator" und "Terminator II", was den hohen Unterhaltungswert dieser Filme ausmacht, worin genau ihre angebliche Gewaltverherrlichung und Trivialität bestehen, und auf welche motivgeschichtlichen Bildtraditionen sie sich zurückführen lassen. Die Autorin zeigt, welche Strukturen, Heldentypen, Figurenkonstellationen und ideellen Konzepte diesen Produktionen zugrunde liegen. Die Autorin: Jahrgang 1964; Abitur; Studium der Germanistik und Politologie; Magistra Artium; journalistische Ausbildung. Yvonne Pollnick lebt in Aschaffenburg und arbeitet als Contentmanagerin für die Website eines deutschen Konzerns.
Vorwort Diese Untersuchung, die im Dezember 1993 als Magisterarbeit bei der Universität Mannheim vorgelegt wurde, hat mir großen Spaß gemacht, weil sie eigenständiges Denken und ungewöhnliche Vorgehensweisen erforderte. Ich hatte bei der Arbeit das Gefühl, eine Skulptur zu schaffen: Da war zunächst ein roher Stein mit interessanten Maserungen, der meine Aufmerksamkeit erregte und sie nicht mehr losließ. Nach und nach kristallisierte sich eine Form heraus, mit der ich in der Lage war, den Eigenheiten des Steins auf die Spur zu kommen. Als diese Form entdeckt war, fand ich an jeder Stelle unzählige Möglichkeiten, zu feilen, zu betonen und herauszustellen, so lange, bis der Stein seine vielfältigen Botschaften zu erkennen gab. Mein Dank gilt besonders PD Dr. Peter Rau, der durch sein interdisziplinäres und flexibles Denken diese Arbeit überhaupt ermöglichte und mich in meiner Vorgehensweise bestärkte. Seine Interpretationen, die bei den Werken von Goethe und Thomas Mann ebenso brillant waren wie bei der Betrachtung von Walt-Disney-Produktionen, eröffneten mir den nötigen Blick für Details und die Fähigkeit, Programme aufzuspüren, die hinter einem Werk stehen. Mit der Prämisse, dass nicht das kleinste Detail, sei es die Farbe des T-Shirts einer Figur oder der Titel der Hintergrundmusik einer Szene, zufällig gewählt worden waren, ergab die Summe der Betrachtungen ein so schlüssiges Gesamtbild, das es mich teilweise selbst verblüffte. Des weiteren bedanke ich mich bei den Mitarbeitern des IDS (Institut für Deutsche Sprache in Mannheim), unter anderem Professor Dr. Dieter Herberg, Dr. Elke Tellenbach und Dr. Doris Steffens, deren Professionalität im Umgang mit Sprache mit half, das auszudrücken, was ich wirklich sagen wollte. Yvonne Pollnick
Aus dem Inhalt
Vorwort Inhaltsverzeichnis. Einleitung I. Die Queste des Helden. Inhalt und Struktur der Filme unter dramaturgischen Aspekten I.1. "Die Hard". I.1.1. "Die Hard" Aufbau I.1.2. "Die Hard" Inhalt I.2. Der Higlander I.2.1. Der Highlander Aufbau 1.2.2. Highlander Inhalt I.3. Terminator I. I.3.1. Terminator I Aufbau. I.3.2. Termintor I Inhalt I.4. Terminator II. I.4.1. Terminator II Aufbau. I.4.2. Terminator II Inhalt I.5. Gestaltung und Bildkomposition anhand von Einzelbeispielen I.5.1. Highlander: Victors Absteige I.5.2. Terminator I, Selbstreparatur I I.5.3. Terminator II, Zweikampf der Terminator: Bedrohung Sarahs. I.6. Formale und inhaltliche Integration im Vergleich I.6.1. Konzeption des Konfliktes über die Struktur. I.6.2. Personenkonstellation und -konzeption. II. Der dargestellte Held II.1. Der moralische Cowboy: Konventionalität und Non-Konformität bei John McClaine in "Die Hard". II.2. Ein wandlungsfähiger Held: Martyrium und Erotik des Conner MacLeod in Highlander. II.3. Programmatischer Minimismus: Ein negatives Heldenbild in Terminator I II.4. Die lernfähige Maschine: Der Wandel vom negativen zum positiven Heldenbild in Terminator II. III. Die Figuren um den Helden. III.1. Die Feinde des Helden III.1.1. Gangster und Teufel. III.1.2. Autoritäten und hierarichische Strukturen. III.2. Die Frauen des Helden III.3. Männerfreundschaften. III. 4. Die Nebenfiguren in Konstellation mit den übrigen Figuren. III. 5. Zusammenfassung: Motivation und Legitimation der Helden durch die Konzepte der übrigen Figuren IV. Die dargestellte Welt IV.1. Das Amerikabild: Ideologische, soziale und politische Aspekte. IV.2. Mythen und Religion IV.3. Die Technisierung der Welt - Angst und Erfurcht. IV.4. Thematisierung von Gewalt IV.2.1. Funktionalisierung des Körpers als Waffe. IV.2.2. Das Rituelle in der Gewalt. IV.5. Zusammenfassender Vergleich Fazit und Ausblick. Anhang: Cutlisten. 1. Highlander. 2. Terminator II. 3. Terminator I, Selbstreparatur I. 4. Terminator I, Selbstreparatur II. Bibliographie. Index.
1. Einleitung Ein Blick auf das Angebot der nächstliegenden Videothek zeigt, welch hohen Stellenwert sogenannte Actionfilme in der Verleihhäufigkeit einnehmen. Obwohl diese Filme allgemein als trivial und gewaltverherrlichend abgetan werden, scheinen sie doch eine sehr starke Faszination auszuüben. Diese Arbeit will der Frage nachgehen, worin der hohe Unterhaltungswert dieser Filme liegt. Wenn diese Filme Gewalt verherrlichen, wie, und warum tun sie das? Liegt das "Triviale" in ihnen an der Aufnahme uralter und wohlbekannter kollektiver Muster? Wird in diesen Filmen dem westlichen Kulturkreis ein Spiegel vorgehalten? Was macht die Helden der Filme so heldenhaft? Warum sind sie so spannend? Was immer diese Filme vermitteln, Tatsache ist, dass sie es massenhaft und nahezu weltweit tun. Deshalb sind sie nicht so trivial, um sie nicht in Form einer wissenschaftlichen Arbeit untersuchen zu können. Die vier Actionfilme, auf denen die folgenden paradigmatischen Interpretationen aufbauen, wurden subjektiv ausgewählt; die Kriterien, die berücksichtigt wurden, waren, dass es sich bei allen Filmen um amerikanische Produktionen jüngeren Datums handeln sollte, die sich besonderer Beliebtheit erfreuen. Folgende Filme wurden gewählt: "Stirb\' langsam", im Originaltitel, der während der Arbeit benutzt wird, "Die Hard"; Regie John McTiernan, Deutsche Fassung 1989, Laufzeit ca. 126 Minuten. "Der Highlander", Regie Russel Mulcahy, Deutsche Fassung 1987, Laufzeit ca. 111 Minuten. Terminator I und Terminator II, Regie (beide Teile) James Cameron, Deutsche Fassungen 1985 und 1991, Laufzeit ca. 103 und ca. 126 Minuten. An den Filmbeispielen soll gezeigt werden, welche Strukturen, Heldentypen, Figurenkonstellationen und ideelle Konzepte diesen Produktionen zugrunde liegen. Dabei ist zu betonen, dass es sich hierbei um Interpretationen handelt, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Die Vorgehensweise der Studie ist ausschließlich werkimmanent. Aspekte der Entstehungsgeschichte, der Rezipientenwirkung oder Rückgriffe auf die Film- und Literaturgeschichte werden bewusst vermieden, um den Rahmen der Untersuchung überschaubar zu halten. Trotz der Werkimmanenz soll nicht ausgeschlossen werden, dass sich die in der Arbeit entwickelten Ergebnisse auf ähnliche Produktionen wie auf die Filme der "Rocky"- und "Rambo"- Reihe oder auf sämtliche Kickbox- und Karatefilme übertragen lassen. Da sich die Arbeit als Pilotstudie versteht, muss auf einen Überblick über die Forschung verzichtet werden. Hier seien lediglich einige Werke erwähnt, die sich als hilfreich erwiesen: Bei dem Nachweis, dass es sich bei der Struktur der Filme um eine Mischung narrativer und dramatischer Elemente handelt wurde Manfred Pfisters "Theorie und Analyse des Dramas" auf die Filmstrukturen übertragen; der Band "Gott und Politik in den USA", der von Klaus-Michael Kodalle herausgegeben wurde, lieferte wichtige Hinweise für die Entwicklung eines spezifischen Amerikabildes, vor dessen Hintergrund eine Reihe figürlicher und außerfigürlicher Konzepte dieser Filme erst einsichtig wurden. Sowohl bei der Untersuchung der Heldentypen, als auch bei bestimmten Aspekten über die Thematisierung von Gewalt erwiesen sich die beiden Bände von Klaus Theweleits "Männerphantasien" als äußerst aufschlussreich. Die weitere verwendete Literatur wird in den entsprechenden Kapiteln vorgestellt. Zur Vorgehensweise seien an dieser Stelle lediglich die vier Hauptkapitel genannt, im Verlauf der Arbeit finden sich zahlreiche Einleitungen, Zusammenfassungen und Verweise zum jeweiligen Stand der Interpretationen. Die Studie bewegt sich auf zwei Ebenen, eine inhaltliche (Kapitel I) und eine leitmotivische (Kapitel II bis IV). In der ersten Ebene werden im Hinblick auf die inhaltliche Kausalität der Handlung die narrativen und dramatischen Strukturen der Filme dargestellt. Auf dieser Ebene befindet sich die Wiedergabe der Filmhandlungen, auf deren Ausführlichkeit wegen der nachfolgenden Interpretationen auf der zweiten, leitmotivischen-symbolischen, Ebene nicht verzichtet werden konnte. Zur genaueren Interpretation wurden für wichtige Schlüsselszenen Cutlisten erstellt, die im Anhang einsehbar sind und am Ende des Kapitels I erläutert werden. Auf der zweiten Ebene der symbolisch-leitmotivischen Interpretation werden im zweiten Kapitel die wichtigsten Charaktereigenschaften der Helden und im dritten Kapitel die Funktion der übrigen Figuren in Bezug auf die Heldenbilder und die Filminhalte erarbeitet. Abschließend wird im vierten Kapitel das Weltbild beleuchtet, das über die Filme vermittelt wird.
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