Minich, Nicola: Gustave Courbet in Künstlerromanen / Nicola Minich
Taunusstein : Driesen, 2001 (Driesen Edition Wissenschaft). - 150 S. : Ill. ; 19 cm. Zugl.: Frankfurt (Main), Universität, Magisterarbeit, 2000. ISBN 3-9807344-6-3 kart., zahlreiche Abbildungen, EUR 19,00 Der Maler Gustave Courbet hat seine Zeitgenossen und spätere Generationen sowohl inspiriert als auch provoziert. Sein Leben und Werk bieten auch heute noch wichtige Anhaltspunkte zum Verständnis der Kunst und Politik des 19. Jahrhunderts. Courbet distanzierte sich lautstark von der akademischen Kunst und der konservativen Politik. Mit seinem Prinzip, nur das darzustellen, was man sieht, führte er ebenso wie die Schriftsteller Balzac, Flaubert, Vallès und Zola seinem Publikum das alltägliche Leben vor Augen, das ihm darstellungswürdiger erschien als die Mythen von Helden oder Heiligen. Zahlreiche Autoren haben sich intensiv mit Courbets Gemälden und seiner Biographie beschäftigt. Heute existiert eine umfangreiche kunstgeschichtliche Courbet-Literatur. Der jahrzehntelange Kampf um Objektivität hat jedoch dem »Mythos Courbet« keinen Abbruch getan. Seine schillernde Persönlichkeit, sein Talent und seine Lebensgeschichte bieten genügend Material, um auch die schriftstellerische Phantasie zu beflügeln. Nicola Minich analysiert die Künstlerromane »Die Abtrünnigen« von Jules Vallès, »Gustave Courbet im Kampfe mit den Dämonen seiner Zeit« von Pierre Borel, »Das Beispiel Courbet« von Louis Aragon, »Der Fall Courbet« von Siegfried Fischer, »Die gestürzte Säule« von István Benedek und »Odyssee eines Bildes« von Philip Hook. Die Autorin zeigt, welche persönlichen Vorstellungen die Autoren von Courbet und seinen Bildern haben, wie diese schriftstellerisch umgesetzt werden und welche Wirkung damit beim Leser erzielt werden soll. Nicola Minich hat Kunstgeschichte, Klassische Archäologie sowie Mittlere und Neuere Geschichte studiert (Magistra Artium) und lebt in Frankfurt am Main. Aus dem Inhalt Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis Einleitung Jules Vallès, Die Abtrünnigen Jules Vallès Inhaltsangabe von Die Abtrünnigen Interpretation Pierre Borel, Gustave Courbet im Kampfe mit den Dämonen seiner Zeit Alfred Bruyas Inhaltsangabe von Gustave Courbet im Kampfe mit den Dämonen seiner Zeit Interpretation Louis Aragon, Das Beispiel Courbet Louis Aragon Inhaltsangabe von Das Beispiel Courbet Interpretation Siegfried Fischer, Der Fall Courbet Jules-Antoine Castagnary Inhaltsangabe von Der Fall Courbet Interpretation István Benedek, Die gestürzte Säule Inhaltsangabe von Die gestürzte Säule Interpretation Philip Hook, Odyssee eines Bildes Philip Hook Inhaltsangabe von Odyssee eines Bildes Interpretation Fazit Lebenslauf von Gustave Courbet Bibliographie Index 1. Einleitung Der Maler Gustave Courbet (1819-77) (Abb. 1) hat seine Zeitgenossen und spätere Generationen sowohl inspiriert als auch provoziert. Sein Leben und Werk bietet auch heute noch wichtige Anhaltspunkte zum Verständnis der Kunst und Politik des 19. Jahrhunderts. Courbet distanzierte sich lautstark von der akademischen Kunst sowie der konservativen Politik und führte mit seinem Prinzip, nur das darzustellen, was man sieht, ebenso wie die Schriftsteller Balzac, Flaubert, Vallès und Zola seinem Publikum das alltägliche Leben vor Augen, das ihm darstellungswürdiger erschien als Mythen von Helden oder Heiligen. Die authentische Darstellung seines Umfeldes – sowohl auf dem Land als auch in der Stadt – ohne Idealisierung reflektierte einen revolutionären gesellschaftlichen Umbruch, der für seine konservativen Zeitgenossen als bedrohlich empfunden werden mußte und gleichzeitig von linken Künstlern, Literaten und Philosophen euphorisch als visionär gefeiert wurde. Auch bei seinen politischen Äußerungen nahm der selbstbewußte Maler kein Blatt vor den Mund. Mit Provokation, Selbstinszenierung und Leidenschaft heizte er die öffentliche Kontroverse über sein Leben und Werk an und wurde zeitweilig als politisch gefährlich empfunden. Nach der Pariser Commune wurde er zur Emigration in die Schweiz gezwungen und zum Ersatz der Kosten für die Wiedererrichtung der gestürzten Vendôme-Säule verurteilt, was sein tragisches Ende im Exil beschleunigt hat.
Abb. 1: Gustave Courbet, Selbstporträt des Künstlers oder Der Mann mit der Pfeife (Portrait de l’artiste, dit L’homme à la pipe), 1848/49, Öl auf Leinwand, 45 x 37 cm, Bez. u. l.: G. Courbet, Musée Fabre, Montpellier.
Zahlreiche Autoren haben sich zu Courbets Lebzeiten und danach intensiv mit seinen Gemälden und seiner Biographie beschäftigt. Heute existiert eine umfangreiche kunsthistorische Courbet-Literatur. Der jahrzehntelange Kampf um Objektivität hat jedoch dem »Mythos Courbet« keinen Abbruch getan. Seine schillernde Persönlichkeit, sein Talent und seine Lebensgeschichte bieten genügend Material, um die schriftstellerische Phantasie zu beflügeln. Fasziniert von Courbets Leben und Werk, hatten sechs Schriftsteller das Ziel, in ihren Romanen dem Leser die Aspekte, die sie am meisten beeindruckten, spannend nahezubringen. Die Grenzen zwischen Information, Interpretation, Fiktion und Unterhaltung verlaufen fließend. Jeder Schriftsteller nähert sich Courbet auf seine sehr persönliche Weise. Dabei ist Jules Vallès der einzige Zeitgenosse von Courbet; auch wenn in seinem Buch Die Abtrünnigen, anders als in den übrigen Romanen, von dem Maler nicht explizit die Rede ist, lassen sich zahlreiche Verknüpfungen zwischen dem Schriftsteller und dem Maler feststellen. Pierre Borel, Louis Aragon, Siegfried Fischer und István Benedek beschreiben Courbets künstlerisches Schaffen, seinen Lebenslauf sowie sein soziales Umfeld und nähern sich dabei dem Maler von ihrem ganz individuellen Standpunkt und unter dem Einfluß ihrer eigenen Überzeugungen. Philip Hook dagegen nimmt eines von Courbets Bildern zum Anlaß, einen spannenden Kriminalroman über den Kunsthandel zu verfassen. Das Ziel dieser Arbeit ist nicht die literaturwissenschaftliche Analyse der Romane, sondern aufzuzeigen, welche persönlichen Vorstellungen die Autoren von Courbet und seinen Bildern haben, wie diese schriftstellerisch umgesetzt werden und welche Wirkung beim Leser erzielt werden soll. Bibliographie
Alpatow 1974
Michael Alpatow: Studien zur Geschichte der europäischen Kunst, Köln 1974
Anton 1997
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Louis Aragon: Pour un réalisme socialiste, Paris 1935
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Louis Aragon: L’exemple de Courbet, Paris 1952
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Aragon, L’Art de parti
Louis Aragon: L’Art de parti en France, in: La Nouvelle Critique (Juli/August 1954), S. 8-29
Aragon, Réalisme
Louis Aragon: Réalisme socialiste et réalisme français, in: Europe, Nr. 183 (15.3.1938), S. 289-303
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Heinrich Balz: Aragon – Malraux – Camus, Stuttgart 1970
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Roger Bellet: Jules Vallès, Journaliste du Second Empire, de la Commune de Paris et de la IIIe République (1857-1885), Paris 1977
Bellet 1995
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Benedek 1983
István Benedek: A ledöntött oszlop. Gustave Courbet életregénye, Budapest 1983
Benedek 1988
István Benedek: Die gestürzte Säule, Berlin 1988
Beneke 1998
Klaus Beneke: Biographien, Kust 1998
Bonniot 1986
Roger Bonniot: Gustave Courbet en Saintonge, Paris 1986
Borel 1922
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Borel 1925
Pierre Borel: Gustave Courbet im Kampfe mit den Dämonen seiner Zeit, Berlin 1925
Borel 1951
Pierre Borel (Hg.): Lettres de Gustave Courbet à Alfred Bruyas, Genf 1951
Boudailles 1969
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Boulboullé 1972
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J. Bouvier: La Bataille Réaliste, Paris o. J.
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Alan Bowness: Courbet’s Proudhon, in: The Burlington Magazine, Bd. CXX, 1978, S. 123-128
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Alfred Bruyas: Salons de peinture de M. Alfred Bruyas (de Montpellier), Paris 1853
Bruyas 1854
Alfred Bruyas: Explication des ouvrages de peinture du cabinet de M. Alfred Bruyas, Paris 1854
Bruyas 1876
Alfred Bruyas: La Galerie Bruyas. Avec le concours des écrivains et des artistes contemporains. Introduction par Th. Silvestre, Paris/Montpellier 1876
Castagnary 1864
Jules-Antoine Castagnary: Les libres propos, Paris 1864, S. 174-201
Castagnary 1882
Jules-Antoine Castagnary: Gustave Courbet, in: Exposition des œuvres de Gustave Courbet à l’École des beaux-arts (Mai 1882), Paris o. J.
Castagnary 1883
Jules-Antoine Castagnary: Gustave Courbet et la colonne Vendôme, Paris 1883
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Jules-Antoine Castagnary: Fragments d’un livre sur Courbet, in: Gazette des Beaux-Arts, 53/1, 1911, S. 5-20; 53/2, 1911, S. 488-497; 54/1, 1912, S. 19-30
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Jules-Antoine Castagnary: Salons (1857-1870), 2 Bde., Paris 1892
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Champfleury, Jules F.-F.: Les amis de la nature, Paris 1859
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Ting Chang: ›The meeting‹: Gustave Courbet and Alfred Bruyas, in: The Burlington magazine, Bd. 138, September 1996, S. 586-591
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Petra ten-Doesschate-Chu: Letters of Gustave Courbet, Chicago 1992
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Colloquium 1979
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Pierre Courthion (Hg.): Courbet raconté par lui-même et par ses amis, 2 Bde., Genf, Bd. I 1948, Bd. II, 1950
Courthion 1996
Pierre Courthion: Tout L’oeuvre peint de Courbet, Paris 1996
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Hans Ebert: Kriegsverluste der Dresdner Gemäldegalerie, Dresden 1963
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Ingrid Erfurth: Louis Aragon und die sowjetische Literatur. Ein Beitrag zum Realismus- und Erbeverständnis in Aragons Publizistik (1930-1960), Jena 1982
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Peter H. Feist: Künstler, Kunstwerk und Gesellschaft, Dresden 1978
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Fernier 1977
Robert Fernier: La vie et l’œuvre de Gustave Courbet. Catalogue raisonné. 2 Bde. Paris 1977
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Siegfried Fischer, Der Fall Courbet, Berlin 1982
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Michael Fried: Courbet’s Realism, Chicago/London 1990