Krause, Ulrike: Straf- und Maßregelvollzug bei Sexualtätern in Deutschland / Ulrike Krause
Taunusstein : Driesen 2003 (Driesen Edition Wissenschaft). - 306 S. ; 19 cm. Zugl.: Bremen, Universität, Dissertation 2003, ISBN 3-936328-13-7, kart., zahlreiche, zumeist farbige Abbildungen, EUR 59,00 Sexualdelinquenten besitzen zweifellos eine Veranlagung, die sich für die Gesellschaft gefährlich auswirken kann. Die in den Medien sensationell präsentierten Sexualdelikte forcieren jedoch den subjektiven Eindruck weiter Teile der Bevölkerung, dass die Sexualkriminalität ständig zunähme, obwohl die in der Kriminalstatistik erfassten objektiven Fallzahlen seit Jahren stagnieren und bei manchen Straftatbeständen sogar rückläufig sind. Dennoch wird der Ruf von Politikern und einer Bevölkerungsmehrheit nach Strafverschärfung und lebenslanger Sicherungsverwahrung mit jedem spektakulären Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung lauter, weil man Bestrafung für das einzige Mittel hält, um Gerechtigkeit wieder herzustellen. Ulrike Krause vergleicht unter anderem Therapiekonzepte, die in anderen Ländern bereits erfolgreich praktiziert werden, mit der derzeitigen Situation in Deutschland und leitet davon Lösungsvorschläge ab. Einer davon lautet: eine langfristige, konsequente und individuell auf den Sexualtäter zugeschnittene Therapie ist notwendig. Denn die Autorin geht von der Annahme aus, dass der gegenwärtige Umgang mit Sexualtätern in Deutschland, nämlich diese einfach nur wegzusperren, eine verpasste Therapiechance bedeutet, die später sogar neue Sexualopfer zur Folge haben könnte. Die Autorin: Jahrgang 1969; Jurastudium in Konstanz; Referendariat am LG Ulm; Promotion an der Universität Bremen; Rechtsanwältin.
Vorwort Die nun fertiggestellte Dissertation gibt mir Anlass, mich bei allen denen zu bedanken, die mich während meiner Promotionszeit unterstützt haben. Zu allererst gilt dieser Dank meinen beiden Referenten, den Herren Professoren Dr. jur. Lorenz Böllinger, Lehrstuhl für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Bremen, und Dr. soz. wiss. Johannes Feest, Lehrstuhl für Strafrecht, Strafverfolgung und Strafvollzug an der Universität Bremen, die mir es ermöglicht haben, eine externe Promotion an ihrer Universität durchzuführen und die mich während dieser Zeit unterstützend begleitet haben. Ein besonderes Dankeschön kommt Herrn Prof. emir. Dr. Horst Schüler-Springorum zu, für seine Fürsprache und sachdienlichen Hinweise bei der Umsetzung meiner Arbeit. Meine Eltern möchte ich nicht vergessen. Mein Vater hat mir Anregungen aus seiner ärztlichen Tätigkeit gegeben, die den medizinischen Aspekten meiner Arbeit genützt haben. Meine Mutter hat mit Geduld und Nachsicht mir stets hilfreich zur Seite gestanden. Für die zur Verfügungstellung ihres fachkundigen Wissens und aktueller Informationen zu dem Thema meiner Dissertation darf ich Dank sagen den Herren Prof. med. Dr. phil. K. M. Beier, Universitätsklinikum Charité - Sexualmedizin, Berlin, Prof. Dr. W. Berner, Direktor des Institutes für Sexualforschung der Psychiatrischen- und Nervenklinik, Universität Hamburg, Dr. med. M. Krupinski, Psychiatrische Klinik - Forensische Psychiatrie, München, Prof. Dr. N. Leygraf, Universität Essen, Prof. Dr. med. F. Pfäfflin, Sektion Forensische Psychotherapie, Universitätsklinikum Ulm, Psychologiedirektor Dr. rer. nat. U. Rehder, Justizvollzugsanstalt Hannover, sozialtherapeutische Abteilung, Hannover, Dr. Rehn, Leiter der Abteilung Vollzugsgestaltung und Behandlungsplanung, Strafvollzugsamt, Hamburg, Prof. Dr. H. Schöch, Institut für Strafrechtswissenschaften, München und Prof. med. Dr. jur. R. Wille, Institut für Sexualmedizin, Kiel. Mein Dank gebührt auch Frau Diplompsychologin Annette Klar, München, Frau Dr. Lamott, Universität Ulm und Herrn Dr. Thomas, Bezirkskrankenhaus Straubing, Herrn PD Dr. Eilers, Darmstadt und Herrn Franz Josef Günzl, die mich bei der Methodik dieser Arbeit beraten haben. München im September 2003 Ulrike Krause Aus dem Inhalt Vorwort Inhaltsverzeichnis I. Einleitung Hinführung zum Thema Innovationsbedarf Fragestellung Gang der Untersuchung 1. Kapitel: Die wichtigsten Vorgaben 1.1 Kriminalstatistik und öffentliche Meinung 1.1.1 Polizeilich erfasste Sexualdelikte 1.1.2 Öffentliche Meinung 1.2 Das geltende Sexualstrafrecht und seine fachwissenschaftlichen Hintergründe 1.2.1 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung 1.2.1.1 Homosexuelle Handlungen 1.2.1.2 Abweichendes sexuelles Verhalten / Perversion / Störung der Sexualpräferenz 1.2.1.2.1 Exhibitionismus 1.2.1.2.2 Voyeurismus 1.2.1.2.3 Pädophilie 1.2.1.3 Sexuelle Gewaltdelikte (Frotteur, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung) 1.2.1.3.1 Frotteur 1.2.1.3.2 Sexuelle Nötigung - Vergewaltigung 2. Kapitel: Strafrechtliche Behandlung des Sexualtäters 2.1 Der Strafvollzug a. Angebote externer Berater b. Angebote externer Behandler in Haft c. Angebote externer Behandler außerhalb der Haft d. Angebote von Vollzugsbediensteten in Haft e. Angebote von Vollzugsbediensteten außerhalb der Haft 2.2 Die Maßregel der Besserung und Sicherung, gemäß §§ 61 ff. StGB 2.2.1 Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus (Maßregelvollzug), gemäß §§ 61 Nr. 1, 63 StGB 2.2.2 Unterbringung in die Sicherungsverwahrung, §§ 61 Nr. 3, 66 StGB 2.2.3 Vorbehalt der Unterbringung in der Sicherungsverwahrung, § 66 a StGB 2.3 Verlegung in eine sozialtherapeutische Anstalt, gemäß § 9 StVollzG 3. Kapitel: Stand der Wissenschaft zur Therapie des Sexualtäters 3.1 Stand der Wissenschaft zur somatischen Behandlung 3.1.1 Serotonin-Reuptake-Hemmer 3.1.2 Antiandrogene ("hormonelle Kastration") 3.1.3 Chirurgische Kastration 3.1.4 Stereotaktischer Eingriff 3.2 Stand der Wissenschaft zu Psychotherapieverfahren 3.2.1 Verhaltenstherapie 3.2.1.1 Methoden, die das sexuelle deviante Verhalten beeinflussen 3.2.1.1.1 Aversionstherapie 3.2.1.1.2 Verdeckte Sensibilisierung 3.2.1.1.3 Selbstkontrolle 3.2.1.2 Methoden zur Verstärkung heterosexuellen Verhaltens 3.2.1.2.1 Orgasmic reconditioning 3.2.1.2.2 Modellernen bzw. Rollenspiel 3.2.2 Psychoanalytisch orientierte Psychotherapie 3.2.2.1 Analytische Psychotherapie 3.2.2.2 Tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie 3.2.3 Gruppenpsychotherapie 3.2.3.1 Dynamische Gruppenpsychotherapie 3.2.3.2 Analytische Gruppenpsychotherapie 3.2.4 Ambulante Psychotherapie 3.3 Therapeuten-Probleme II. Therapie mit Sexualtätern in anderen Ländern - Projekte und Modelle in den Niederlanden, Belgien, England, Frankreich, der Schweiz und den USA 4. Kapitel: Sexualtäter im Ausland 4.1 Sexualtäter in den Niederlanden 4.1.1 Stationäre Behandlung von Sexualdelinquenten 4.1.1.1 Dr. Henri van der Hoeven Klinik 4.1.1.2 Pieter-Baan-Centrum (Maßregelvollzugsanstalt) 4.1.1.3 Rotterdam-Projekt (spezielles Projekt für Inzesttäter) 4.1.1.4 Gruppenbehandlung von sexuellen Gewalttätern in Leiden 4.1.2 Ambulante Behandlung von Sexualdelinquenten 4.2 Sexualtäter in Belgien 4.3 Sexualtäter in England 4.4 Sexualtäter in Frankreich 4.5 Sexualtäter in der Schweiz 4.6 Sexualtäter in den USA III. Primärerhebung an Sexualdelinquenten in der Bundesrepublik Deutschland 5. Kapitel: Fragen zur gewählten Methode 5.1 Patientengut (Material - Stichprobe) 5.2 Fragebogen Patient 5.2.1 Gründe für dieses methodische Vorgehen 5.2.2 Risiken eines derartigen methodischen Vorgehens 5.3 Experteninterviews 5.3.1 Vor-/Nachteile von Interviews 5.4 Auswahl der Maßregelanstalten 5.4.1 Kriterien für die Auswahl der Maßregelanstalten 6. Kapitel: Ergebnisse der Primärerhebung 6.1 Soziobiographisches Profil der Befragten 6.2 Allgemeine Angaben zu Hafterfahrungen und Einstellungen 6.3 Ergebnisse zur Unterbringung 6.3.1 Unterbringungsdelikte 6.3.2 Diagnose 6.3.3 Unterbringungseinrichtung 6.3.4 Dauer der Unterbringung 6.4 Ergebnisse zur Täter-Opfer-Beziehung 6.5 Ergebnisse der Fragen zur Therapie und den daran beteiligten Personen 6.5.1 Therapie 6.5.2 Therapeut, Pflegepersonal, Angehörige, Richter und Verteidiger 6.5.3 Unterbringung 6.6 Ergebnisse bezüglich der Einschätzung der Zukunftsperspektiven aus Sicht des Sexualdelinquenten IV.Diskussion Straf- oder Maßregelvollzug? Was ist die sinnvollere Alternative für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Sexualtäter? Der Strafvollzug Auswirkungen der neuen Gesetze auf den Strafvollzug Veränderungsvorschläge für den Strafvollzug Konsequenz Ist der Maßregelvollzug nun die bessere Alternative für den Sexualtäter? Der Maßregelvollzug Auswirkungen der neuen Gesetze auf den Maßregelvollzug Welche Einrichtung ist aus Sicht des Patienten nun die vorzugswürdigere? Veränderungsvorschläge für den Maßregelvollzug Gutachter entscheiden über die Einweisung und über die Entlassung von Sexualtätern Einweisungsgutachter Prognosegutachter Entscheidende Fehlerquellen Anforderung an Prognosegutachten Einige Vorschläge zur Verbesserung von Gutachtenerstellungen Therapeut / Gutachter: gibt es Rollenkonflikte? Einsatz von externen Therapeuten? Stellt die Verschwiegenheitspflicht des Therapeuten sowohl im Strafvollzug als auch im Maßregelvollzug ein Problem dar? Verschwiegenheit des Therapeuten im Strafvollzug Schweigepflicht im Maßregelvollzug Verschwiegenheit der Therapeuten im Ausland Vorschläge zum Umgang mit der Offenbarungspflicht im Straf- / Maßregelvollzug Therapie des Sexualtäters - Ziele und Ansprüche? Welche speziellen Probleme bringen die Patienten mit? Was bewegt Menschen solche Taten zu begehen? Was sind ihre Motive? Sind Sexualtäter in Ihrer Kindheit häufig selber Opfer von sexuellen Gewalttaten? Worin sieht nun der Sexualtäter selbst Ursachen für sein Fehlverhalten? Gibt es die Universaltherapie für den Sexualtäter? Sollten somatische Behandlungsmethoden in der Therapie für Sexualtäter angewendet werden? Konsequenz hinsichtlich des Einsatzes von somatischen Behandlungsmethoden bei Sexualtätern Psychotherapie - die optimale Art der Behandlung von Sexualtätern? Gibt es derzeit effiziente Therapieprojekte? Einige Probleme bei der Durchführung einer Therapie Gruppen- oder Einzeltherapie, welches ist die vorzugswürdigere Behandlungsmethode? Empfehlung Ist die Einbeziehung anderer Personen einschließlich des Opfers in die Therapie sinnvoll? Wie sollte die Therapie für Sexualtäter durchgeführt werden? Freiwillig oder als Zwangsmaßnahme? Fazit Ambulante Therapie: Unter welchen Voraussetzungen kann sie effektiv sein? Wie kann man dem Sexualtäter nach der Entlassung weiterhelfen? Wie ist nun aber der heutige Stand ambulanter Behandlung von Sexualdelinquenten im Ausland? Vorschläge zur Verbesserung der ambulanten Weiterbehandlung Wie lange sollte eine ambulante weiterführende Therapie bei Patienten, die aus dem Straf-/ Maßregelvollzug entlassen sind, dauern? Die Frage ist, ob es überhaupt vertretbar ist, eine ambulante Therapie für Sexualtäter zu befristen? Für den Ausbau einer ambulanten Therapie wäre hilfreich: Die Rückfallquote: Ein Gegenargument? Fazit: Therapie als Allheilmittel? Vorschläge zur Weiterentwicklung der Therapie V. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen Anhang Literaturverzeichnis A. Einleitung I. Einleitung Hinführung zum Thema Innovationsbedarf Die öffentliche Diskussion zum Thema Sexualverbrechen wird überwiegend emotional geführt. Ihre mediale Erörterung lässt nicht selten die notwendige Sensibilität vermissen. Die Ansichten der Bevölkerung darüber, wie man mit Sexualtätern umgehen sollte, sind divergierend. Die Mehrheit jedoch dürfte, unter dem Eindruck eines sie schockierenden Ereignisses, im Strafvollzug, indem der Sexualtäter eine Haftstrafe zu verbüßen hat, die einzige Möglichkeit sehen, Gerechtigkeit wieder herzustellen1. Dabei könnte aber geflissentlich übersehen werden, dass eine solche strafende Maßnahme alleine der bis heute ungelösten Aufgabe, was mit einem Sexualtäter danach geschehen solle, nicht gerecht wird. Einen Sexualdelinquenten nur wegzusperren, dürfte deshalb lediglich eine verpasste Therapiechance darstellen, die später sogar ein neues Sexualopfer zur Folge haben kann2. Der für die Allgemeinheit dadurch erwartete Schutz, dergestalt, dass die Haftstrafe eine abschreckende Wirkung für erneute Sexualstraftaten habe, würde damit nicht erreicht werden. Diese wenigen Bemerkungen sollen genügen, um die Aktualität des vorliegenden Themas - Straf- und Maßregelvollzug von Sexualtätern in Deutschland - für die Kriminalpolitik im Allgemeinen und das Sexualstrafrecht im Besonderen zu verdeutlichen. Fragestellung Unter der Annahme, dass Sexualtäter kranke Menschen sind, deren Erkrankung sich für die Gesellschaft sogar gefährlich auswirken kann, dürfte es nicht genügen, wie bisher weitgehend üblich, dass sie im Strafvollzug verwahrt werden. Denn anzunehmen, der Sexualstraftäter lerne im Strafvollzug, in Zukunft keine Sexualtaten mehr zu begehen, dürfte illusorisch sein3. Deshalb sollten zur Bewältigung dieses die Gesellschaft belastenden Problems andere oder zumindest ergänzende Vorgehensweisen geschaffen werden, ohne dass damit die Verpflichtung aufzugeben wäre, die Allgemeinheit vor Sexualtätern zu schützen4. Wie könnte nun ein solcher Lösungsansatz aussehen? Eine Überlegung dazu wäre die: Nur eine langfristige, konsequente, spezielle Therapie des Sexualtäters dürfte etwas bringen. Seine Bestrafung allein genügt nicht. Die für eine Therapie von Sexualtätern geeigneten, intensiv genutzten, speziellen Einrichtungen müssten geschaffen oder vermehrt angeboten werden, dies selbst auf die Gefahr hin, dass damit noch immer keine absolute Gewähr gegeben ist, dass Wiederholungstaten eines Sexualtäters nicht mehr vorkommen. Positive ausländische Projekterfahrungen sollte man einbeziehen. Hieraus ergeben sich eine Reihe von Fragen: Wie und wo sollte in unserem Land eine Therapie für Sexualtäter durchgeführt werden? Ist die Gesellschaft überhaupt dazu bereit? Ist der Sexualtäter dazu willens? Wie stellt er sich selber dar - mehr als Patient? - mehr als Verbrecher? Was gibt es bisher schon an erfolgversprechenden Therapieansätzen? Warum aber lehnen z.B. dafür geeignete Kliniken eine solche Therapie ab? Warum gibt es bisher kaum ambulante Behandlungsplätze für Sexualtäter? Gibt es realistische Chancen für seine Wiedereingliederung in unsere Gesellschaft - und wenn ja - was ist dazu notwendig an unterstützenden, über die alleinige Therapie für Sexualtäter hinausgehenden Maßnahmen? Diese letzte Frage impliziert die weitere nach dem wechselseitigen Rollenverständnis von Gerichten, Gutachtern, Therapeuten und Sexualarbeitern untereinander. Berührt wird damit auch die von Fachleuten geäußerte Frage: Warum haben Psychotherapeuten Berührungsängste gegenüber Sexualtätern? Die Bearbeitung und Beantwortung dieser Fragen wird nicht unerheblich erschwert durch die Tatsache, dass es bis heute kaum Grundlagenforschung zur Behandlung von Sexualtätern gibt5. So finden sich auch nur wenige Berichte und Studien über neue Formen der Therapie für Sexualtäter, wie z.B. ihre ambulante Handhabung durch externe Psychotherapeuten6. Der öffentliche Diskurs über die aktuelle Strafrechtsreform hat dies indes anscheinend nicht oder kaum zur Kenntnis genommen. Es scheint zudem so zu sein, dass die jüngere Strafrechtsreform sich über diesen Forschungsfehlbestand hinweggesetzt und ziemlich einseitig die Forderung nach Opferschutz und nach Tätersicherung mit einem de facto angeordneten Behandlungszwang des Sexualtäters in den Vordergrund gestellt hat. Gang der Untersuchung Wegen der Komplexität des Themas wurde die Untersuchung mehrdimensional angelegt. In einem einleitenden Kapitel wird zunächst ein Überblick über die kriminologischen Zahlen der letzten Jahre und die öffentliche Mediendiskussion dazu gegeben. Es folgt dann in demselben Teil eine kurze Darstellung des geltenden Sexualstrafrechts in Deutschland, namentlich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Im 2. Kapitel wird der heutige Stand des Strafvollzuges, des Maßregelvollzuges ohne und mit angeschlossener sozialtherapeutischer Abteilung, sowie der Sicherungsverwahrung unter Berücksichtigung der aktuellen Gesetzeslage besprochen. Im 3. Abschnitt wird dann auf den Stand der Wissenschaft hinsichtlich der Therapie des Sexualtäters eingegangen. In diesem Abschnitt werden u.a. praktizierte Therapieverfahren besprochen. Der Abschnitt endet mit einer Darstellung spezieller Probleme des Therapeuten. Im 4. Kapitel werden von der Autorin interessant erscheinende Projekte von Behandlungsmethoden bei Sexualdelinquenten in anderen europäischen Staaten (Niederlande, Belgien, England, Frankreich) und den USA vorgestellt. Im darauffolgenden 5. Kapitel, wird über die angewandte Methodik informiert. Diese beinhaltet eine empirisch angelegte Studie, die nicht den Anspruch auf eine quantitative Forschung erhebt, sondern vielmehr auf einem qualitativen Forschungsansatz beruht. Mit einem strukturierten Befragungsbogen, zuvor auf Praktikabilität und Legalität von zwei Fachleuten geprüft, wurden hierzu Erhebungen an 30 in süddeutschen Maßregelvollzugsanstalten untergebrachten Sexualtätern durchgeführt und statistisch ausgewertet7. Die Vorteile und Grenzen dieses methodischen Vorgehens werden aufgezeigt. Dies geschieht auch mit den Auswahlkriterien, nach denen die einzelnen Maßregelanstalten ausgewählt wurden, sowie mit den Beweggründen, warum die Autorin in Ergänzung ihrer Studie eine Reihe namhafter Experten in der gesamten Bundesrepublik Deutschland aufgesucht und dabei die Interviewmethode gewählt hat. Im 6. Abschnitt sind die durch die Studie erhobenen Daten tabellarisch (farbig) abgebildet und mit ihren prozentualen Ergebnissen im Einzelnen ausgewertet. In der Diskussion dieser Studienergebnisse - 7. Kapitel - werden, bei Gegenüberstellungen zu entsprechenden Mitteilungen in der Literatur, die Patientenantworten zu den im Fragebogen an sie gerichteten Fragen einer Bewertung unterzogen. Auch die Expertenmeinungen sowie ausländische Erfahrungen in der Therapie für Sexualtäter werden dabei kritisch gewürdigt. Im letzten Kapitel, dem 8. Abschnitt dieser Arbeit, zieht die Autorin Folgerungen aus dem zuvor Diskutierten, wobei sie versucht ihre eigene Position deutlich zu machen, um so zu einer Beantwortung der eingangs gestellten Fragen zu kommen. Unter Berücksichtigung der Rückfallquote von Sexualtätern werden verschiedene Aspekte einer Therapie für Sexualtäter erörtert (Zielsetzung, Prognose, Anforderungen, Therapie für Sexualtäter als ambulante Therapie oder in sozialtherapeutischen Abteilungen, Patienteneinschätzung zur neueren Gesetzeslage, Expertenmeinungen dazu) und abschließend daraus ein aus kriminologischer Sicht wünschenswerter bzw. zu empfehlender Maßnahmen-Katalog zur Therapie von Sexualtätern vorgestellt.
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