Forcher, Gerd: Bedingungen der Personalität : Daniel C. Dennett und sein naturalistischer Personenbegriff
Taunusstein : Driesen, 2. Aufl. 2010 (Driesen Theologie). - 139 S., 19 cm. Zugl.: Innsbruck, Universität, Diplomarbeit, 2004. ISBN 978-3-86866-070-8, Softcover, 22,00 Euro Das Computerzeitalter und die großen Fortschritte in den Neurowissenschaften verändern nicht nur unser Welt- sondern auch unser Menschenbild. Vergleiche des Menschen mit Soft- und Hardware sind en vogue. Damit werden philosophische Anthropologie und Ethik auf einen neuen Prüfstand gestellt. Was wir bisher als Menschenwürde und Würde der Person bezeichnet haben, wird mehr und mehr in Frage gestellt, denn hochkomplexe Computersysteme können personalen Charakter haben, während Neugeborene nie die Kritierien einer Person erreichen. Im angloamerikanischen Raum sind solche Gedankengänge mit Vertretern wie Daniel C. Dennett auf den Bestsellerlisten. Gerd Forcher versucht anhand der philosophiegeschichtlichen Entwicklung des Personenbegriffes die Vielschichtigkeit von Person zu klären und sie in Beziehung zur naturalistischen Weltanschauung am Beispiel Daniel C. Dennetts zu setzen. Die sechs Themen oder Bedingungen, die Dennett zur Bestimmung von Personalität entwickelt, werden dabei einer Kritik unterzogen, die das "neue" Weltbild in Frage stellt und die die Konsequenzen aufzeigt - sowohl ontologisch als auch anthropologisch-ethisch. Der Autor, Jahrgang 1969, verheiratet; 3 Kinder; Studium der Fachtheologie und Religionspädagogik an der Universität Innsbruck, Studium der Christlichen Philosophie in Innsbruck und in Frankfurt/Main - St. Georgen; lebt heute in Innsbruck und arbeitet zur Zeit als Berufsschullehrer und im kirchlich-pastoralen Bereich. Lehraufträge an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. 1. Danksagung Die vorliegende Arbeit entstand einerseits aus meiner Faszination an den Themen "Person", "Selbst" und "Bewusstsein". Die Frage, was den Menschen ausmacht, beschäftigt mich seit Jahren. Andererseits ist für mich die Diskusssion über die Person nicht ein Thema aus dem Elfenbeinturm, sondern eine konkrete ethische und (sozial-)politische Aufgabenstellung. In meinen Jahren als Sozialarbeiter mit Obdachlosen, in den Begegnungen mit Sterbenden und sogenannten "Behinderten", in meiner Auseinandersetzung mit arbeitspolitischen Themen in der KAB (Katholischen ArbeitnehmerInnenbewegung) war der Begriff der "Person" immer präsent und ein Schlüsselwort, das Positionen klarlegte. Was ist eine Person? Wer ist eine Person? Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, sieht auch ein anthropologisches und sozialpolitisches Konzept aus, sieht der Umgang mit Menschen aus. Für mich wurden die vergangenen Monate eine aufregende Reise durch die Gedankenwelt Dennetts, nicht nur, weil es galt, interessante Gedankengänge zu verfolgen, sondern weil sich in diesen Monaten auch mein Umfeld als aufregend erwies. Meine Frau Gabriele und meine Tochter Rebekka gaben mir die nötige Zeit, um mich mit dem Thema auseinander zu setzen; besonders meine Frau zeigte viel Geduld und Einsehen für mein Unterfangen. Zudem wurde die Frage nach der Person familiär noch greifbarer, da sich im nun ablaufenden Jahr nicht nur meine Arbeit entwickelte, sondern auch noch unsere zweite Tochter Sarah das Licht der Welt erblickte. Damit war für mich rein emotional die Frage nach dem Personsein sehr gegenwärtig. Dieser meiner Familie mit den drei Personen Gabriele, Rebekka und Sarah möchte ich daher auch meine philosophische Diplomarbeit widmen. Sehr dankbar bin ich auch für die Unterstützung aus meinem Freundeskreis, der mich motivierte, die Arbeit fortzusetzen, der sich auch für das (nicht unbedingt handliche) Thema interessierte und sich zum Teil die Zeit nahm, wichtige Korrekturen anzubringen. Besonderer Dank gebührt freilich noch meinem Betreuer Ao. Univ.-Prof. Dr. Christian Kanzian, der mich nicht nur durch die philosophischen Dickichte geführt hat, sondern auch durch den Dschungel der Bürokratie, damit die Untersuchung zeitgerecht fertig werden konnte. Innsbruck, im Februar 2007 Gerd Forcher Inhalt Danksagung Inhaltsverzeichnis 0 Einleitung: Problemstellung aus dem Alltag 1 Daniel Dennetts Person und philosophischer Hintergrund 1.1 Persönliche Daten 1.2 Der Hintergrund Dennetts: Naturalismus und Philosophy of Mind 1.2.1 Willard van Orman Quine 1.2.2 Naturalismus und Physikalismus 1.2.2.1 Naturalismus 1.2.2.2 Physikalismus 1.2.3 Funktionalismus 1.2.4 Gilbert Ryle 1.2.5 Der Behaviorismus 1.2.6 Wittgenstein und die Analytische Philosophie 1.2.6.1 Ludwig Wittgenstein 1.2.6.2 Das Privatsprachenargument 1.2.6.3 Kritik am Privatsprachenargument 1.2.7 Intentionalität 1.2.8 Husserl und Dennett 1.2.8.1 Husserls Phänomenologie 1.2.8.2 Dennetts Heterophänomenologie und Ontologie 1.3 Zusammenfassung des Kapitels 2 Ein geschichtlicher Überblick zum Personenbegriff 2.1 Antike 2.2 Stoa, Cicero und Epiktet 2.3 Christliche Einflussnahme im Mittelalter 2.3.1 Nizäa 2.3.2 Augustinus (relationstheoretischer Ansatz) 2.3.3 Boethius (substanzontologischer Ansatz) 2.3.4 Richard von St. Viktor (existenzieller Ansatz) 2.3.5 Abaelard und Alexander von Hales (moralphilosophischer Ansatz) 2.4 Thomas von Aquin 2.5 Descartes 2.6 Locke und die Nachwirkungen 2.7 Kant 2.8 Ergebnisse des Rückblicks 3 Dennetts Artikel "Conditions of Personhood" 3.1 Kontext 3.2 Aufbau des Artikels 3.3 Dennetts Einleitung 3.3.1 Exkurs: Die Vertragstheorie von Rawls 3.3.1.1 Urzustand 3.3.1.2 Hauptthese 3.3.1.3 Kritik am Utilitarismus 3.3.1.4 Rawls\' Theorie in ihrer gesellschaftlichen und ethischen Relevanz 3.3.2 Strawsons und Frankfurts Ansätze als Ergänzung 3.3.2.1 Sir Peter Strawson 3.3.2.2 Harry Frankfurt 3.4 Die ersten drei Themen: Rationalität, Intentionalität, Einstellung 3.4.1 Das Thema der Rationalität 3.4.2 Das Thema der Intentionalität und der Einstellung 3.4.3 Nochmals: Intentionale Systeme 3.5 Thema vier: Gegenseitigkeit, Reziprozität 3.5.1 Intentionale Systeme zweiter Stufe 3.5.2 "Lloyd Morgans Sparsamkeitskanon" 3.5.3 Parallelen in "Kinds of Minds" 3.6 Thema fünf: Fähigkeit zu sprachlicher Kommunikation 3.6.1 Dennetts fünftes Thema 3.6.2 Rawls und Dennetts fünf erste Themen: Ohne Gerechtigkeit keine Person 3.7 Thema sechs: Selbstbewusstsein 3.8 Resümee Dennetts 3.9 Vorausschau ins nächste Kapitel 4 Eine Kritik des dennettschen Ansatzes 1.1. 4.1 Ontologie eines Anti-Essentialisten 4.1.1 Dennetts Hintergrund als ontologische Ausgangslage 4.1.1.1 Behavioristische Züge 4.1.1.2 Naturalismus und Physikalismus: Ontologisches wird aus dem Ontischen abgeleitet 4.1.2 Hat Dennetts Kernthema der Intentionalität einen "harter Kern"? 4.1.2.1 Kritik an Dennetts funktionalistischem Ansatz: Syntax reicht nicht für Semantik 4.1.2.2 Ontologischer Verzicht als physikalistische Ontologie 4.1.2.3 Alles intentional - nichts mehr intentional 4.1.2.4 Real patterns oder die Theorie eines schwachen intentionalen Realismus 4.1.2.5 Also doch nicht alles intentional? 4.1.3 Realität und Ontologie bei Dennett 4.1.3.1 Ontologie wird gegen Geschichten getauscht: Das zu Erklärende wird Erklärendes 4.1.3.2 Zugeschriebene Realität - keine Realität 4.1.3.3 Ontologischer Rückzug in den Physikalismus 4.1.3.4 Unhinterfragte Raum-Zeit-Ontologie 1.2. 4.2 Handlungstheoretische Implikationen 4.2.1 Standardmodell der Handlungstheorie 4.2.2 Eine Alternative zum Standardmodell 4.2.3 Das Problem der Dritten-Person-Perspektive 4.2.3.1 Kritik einer subjektiven Handlungstheorie 1.3. 4.3 Die anthropologische Kritik 4.3.1 Mensch - Selbst - Person: Zuschreiben des Personseins 4.3.1.1 Versteckte Annahme: Wer nimmt den intentionalen Standpunkt ein, wenn nicht Menschen? 4.3.1.2 "Graduelle Personalität" 4.3.1.2.1 Bedingungen sind nicht das Bedingte 4.3.1.3 Auch die Anthropologie ist ametaphysisch: Das Selbst ist leer 4.3.1.4 Sprachliche Kommunikation als herausragende Bedingung 4.3.2 Dennetts Bezugslosigkeit zum begriffsgeschichtlichen Kontext 4.3.2.1 Ausgehend von "Conditions of Personhood" 4.3.2.2 Vielfalt des Personenbegriffs ausgehend von der Geschichte 4.3.2.3 Der große Unterschied 4.3.2.4 Der Vernunftbegriff 4.3.3 Die Relativität des Personseins als soziales Konzept 1.4. 4.4 Ethik und Person 4.4.1 Moralisch und tugendhaft 4.4.2 Rawls und Dennetts Korsett 4.4.2.1 Rawls\' Theorie wird instrumentalisiert 4.4.3 Sind Dennetts Bedingungen metaphysisch oder empirisch zu verstehen? 5 Zusammenfassende Würdigung und Kritik 1.4.1 5.1 Zusammenfassung des vorhergehenden Kapitels 1.4..1.1 5.1.1 Ontologisch 1.4..1.1.1 5.1.2 Handlungstheoretisch 1.4..1.2 5.1.3 Anthropologisch 1.4..1.2.1 5.1.4 Ethisch 1.4.2 5.2 Aspekte am Schluss meiner Untersuchung 5.2.1 Dennetts Selbsteinschätzung 1.4..2.1 5.2.2 Ausblick 6 Literaturverzeichnis 1.4..2.1.1 V. 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